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5 Gründe, warum eine Lichtberechnung keine Punktlandung ist

Ich war einmal an einem Projekt beteiligt, bei dem es um die Beleuchtung einer großen Außenanlage mit 1000W-Mastleuchten ging. Das Ziel der Berechnung war, die Normwerte bis auf die zweite Nachkommastelle einzuhalten. Ganz abgesehen davon, dass es sehr langwierig ist, ein Ergebnis so punktgenau zu erreichen, stellt sich grundlegend die Frage: Ist es überhaupt sinnvoll - und möglich, eine Lichtberechnung auf Nachkommastellen genau zu planen?

Die meisten Lichtberechnungen werden mit dem Zweck gemacht, das Lichtkonzept auf seine normative Umsetzung hin zu überprüfen. Sprich: Ergebnisse müssen her, die die normativen Mindestanforderungen einhalten, zum Beispiel an Beleuchtungsstärke und Gleichmäßigkeit. Dabei versucht jeder Planer natürlich, die Räumlichkeiten so realitätsnah wie möglich zu modellieren.

 

Welche Vorgaben haben aber überhaupt Einfluss auf das Ergebnis? Im Grunde spielt alles eine Rolle, was sich im Raum befindet (oder auch nicht): die Farbigkeit der Raumoberflächen, die Mattigkeit oder der Glanz aller Oberflächen, die Farbe, das Volumen und die Positionen der Möbel – um nur einige Faktoren zu nennen.

 

Natürlich versucht jeder Planer, sämtliche relevanten Faktoren, die einen Einfluss auf das Ergebnis haben können, vorher genauestens abzufragen und zu recherchieren. Warum ist das Ergebnis dann aber doch meist keine Punktlandung?

Es gibt kaum Angaben zu den Oberflächen bzw. keinen Möblierungsplan

Das ist der Klassiker: In den meisten Fällen ist tatsächlich einfach keine Aussage zu den Materialien des Raums zu erhalten, auch nach genauem Nachfragen nicht. Oft ist schlichtweg noch keine genaue Innenraumplanung vorhanden. Im schlechtesten Fall sind in den Plänen, die zur Verfügung gestellt werden, nicht einmal Möbel eingezeichnet. Dann hat man schlechte Karten und muss sich auf ein recht grobes Ergebnis einstellen.

Farbigkeit und Materialien stimmen nicht mit der Realität überein

Selbst wenn man Aussagen zu Farbigkeit und Glanzgrad der Oberflächen bekommt, sind diese schwer zu 100% reproduzierbar. Weiß ist eben nicht gleich weiß und hat damit eine Bandbreite an Reflexionsgraden, die voneinander um einige Prozentpunkte abweichen können. Auch der Begriff „glänzend“ ist dehnbar. Je größer die Flächen sind, deren Werte von der reellen Oberfläche abweichen, desto größer ist der Einfluss auf das Berechnungsergebnis.

Farb- und Möbelkonzept verändern sich nachträglich

Geplant wurde mit weißen Wänden und einem hellen Holzfußboden – später hatte das Büro plötzlich neben drei weißen auch eine farbige Wand und einen dunklen Teppichboden? Die Tische stehen nun quer statt längs zu den Lichtbändern oder es gibt plötzliche Stehtische im Raum? Auch diese Entwicklung in einem Lichtprojekt ist nicht unüblich. Jedes Objekt hat einen Einfluss auf die Lichtverteilung im Raum, schon die Stuhllehne des Bürostuhls kann auf die Arbeitsfläche einen Schatten werfen, der sich ungünstig auf das Ergebnis auswirkt. Aber auch nachträglich eingeplante Deckensegel oder eine Veränderung der Deckenstruktur von geschlossener zur gelochten Akustik-Decke haben einen oft gravierenden Einfluss.

Genauigkeit in der Gestaltung des Raums

Wird die Lichtberechnung unter großem Zeitdruck angefertigt, bleiben manchmal auch grundlegende Raumattribute unberücksichtigt, z.B. Fensterflächen. Auch hierdurch wird das Ergebnis natürlich ungenau.

Toleranzen in der lichttechnischeN Datei der Leuchten

Zu guter Letzt gibt es auch Toleranzen in der Messdatei der eingesetzten Leuchte zum tatsächlichen Lichtstrom der real montierten Leuchte. Auch nachdem die Installationsbeleuchtungsstärke um den Wartungsfaktor korrigiert wurde, dürfen hier Abweichungen von bis zu 10% vorkommen.

Fazit

Um eine nahezu realitätskonforme Lichtberechnung zu erstellen, wären (theoretisch) umfassende Angaben zu den Räumen notwendig – Angaben, die die Planer zum Zeitpunkt der Lichtplanung meist noch nicht festgelegt haben oder die später doch noch geändert werden. Alle Flächen und Gegenstände im Raum können einen gewissen Einfluss auf das Berechnungsergebnis haben, je stärker, desto mehr Visualisierung und Wirklichkeit auseinander klaffen. Insofern ist es utopisch, ein exaktes Ergebnis zu erwarten, und wenig sinnvoll, über kleinste Abweichungen im Nachkommabereich von den Normwerten zu diskutieren. Vor allem gilt dies im Bereich der Außenplanung,

 

Je konkreter die Angaben zum Raum sind, die zur Verfügung stehen, desto genauer wird das simulierte Ergebnis mit der Realität übereinstimmen. Dennoch: Ein Berechnungsprogramm, so gut es auch ist, wird nie an die Wirklichkeit herankommen. Deshalb ist es wichtig, den Kunden für diese Grenzen der Simulationsmöglichkeiten zu sensibilisieren.

Sie möchten das nicht alles alleine machen und brauchen ein professionelle, normgerechte Lichtberechnung? Melden Sie sich gerne bei mir: kontakt@lichtundwort.de


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